Bereits wenige Zeit, nachdem wir Auckland hinter uns gelassen haben, veränderte sich die Landschaft rapide um uns herum. Dichte Wälder und grüne Wiesen umgaben uns soweit das Auge reicht. Und je weiter wir uns von der Stadt entfernt hatten, umso einsamer wurde es auf dem Highway. Das weite und kaum besiedelte Northland lag vor uns.

Die wunderschöne Whangarei

Unser erster Stopp galt der Whangarei, der letzten größeren Stadt auf dem Weg in den Norden. Die Stadt selbst sah recht überschaubar aus und machte einen gemütlichen und ruhigen Eindruck. Hier holten wir uns an dem hiesigen Touristen Informationszentrum einige Tipps zu der Gegend rund um die Whangarei. Neben den Whangarei Falls, einem Wasserfall ganz in der Nähe der Stadt, wurde uns auch der Busby Head Track zum Wandern empfohlen. Diese relativ kurze Wanderstrecke liegt weiter im Südosten der Stadt in der Nähe der kleinen Siedlung Whangerei Heads in einem sehr schönen küstennahen Naturreservat, der Bream Head Scenic Reserve, und ist absolut zu empfehlen. Der Pfad verläuft hier entlang einer wunderschönen Küste bis zum Smugglers Bay, einer einsamen Bucht mit einem ruhigen und schönen Strand.

 

Otamure Bay

Nach der Wanderung in der Bream Head Reserve war es dann an der Zeit unseren ersten Campingplatz aufzusuchen. Wir hatten uns für eine in der Nähe liegende DOC Campsite entschieden. DOC steht dabei für department of conservation und ist eine Art übergreifende neuseeländische Umweltbehörde, die für alle Natur- und Umweltbereiche im Land zuständig ist. Neben dem Management von National Parks und den zahlreichen Wanderwegen unterhält DOC auch etliche Campingplätze, quer durch das ganze Land verteilt. Diese sind zwar meistens recht spartanisch und nur mit allem Nötigsten ausgestattet, wie beispielsweise einer Trockentoilette und einem Wasseranschluss, dafür aber mit 8 bis 15$ pro Übernachtung unglaublich günstig, und liegen obendrein auch oft inmitten einer wunderschönen Natur. So wie auch diesmal.

Unser Campingplatz, die Otamure Bay Campsite, erstreckte sich über eine große grüne Wiese, die recht abgelegen und in einer direkten Nähe zu einem schönen und einsamen Strand lag. Neben uns waren kaum noch weitere Camper da und der Strand lag nur wenige Meter entfernt. Es war einfach perfekt.

Ich bin später, nachdem die Sonne bereits untergegangen war, noch mal zum Strand, um ein wenig die Ruhe zu genießen und dem Meer zu lauschen. Der Mond stand hoch am Himmel und die Wellen schlugen leise und beständig auf die Küste ein. Es herrschte gerade Ebbe und so schien der Strand besonders groß. Einige einzelne nachtaktive Vögel (leider keine Kiwis) huschten auf der Suche nach Futter am Strand entlang, wie kleine kaum wahrnehmbare Schatten stachen sie im hellen Mondscheinlicht hervor. Es war so friedlich und so ruhig, einfach nur wunderschön.

 

Der einzigartige Bay of Islands

Am nächsten Tag machten wir uns auf den weiteren Weg Richtung Norden. Unser nächster größerer Stopp galt der Paihia, einen kleinen Küstenstadt im Bay of Islands Region. Diese Küstenregion umfasst einige kleine und sehr schöne Inseln, und gilt als eines der Top Ausflugsziele auf der neuseeländischen Nordinsel. Es heißt wer einen Fallschirmsprung auf der Nordinsel unternehmen möchte, findet kaum einen besseren Ort dafür als die Bay of Islands in Northland.

Wir blieben in Paihia ganze zwei Nächte, da wir einen ganztägigen Segeltrip zu den kleinen Inseln unternehmen wollten. Es war ein tolles Gefühl wieder in den See zu stechen und diese fast unendliche Freiheit zu spüren, während die kleine Segelacht sanft über die Wellen ritt.

 

Weiter in den Norden

Auf dem restlichen Weg in den Norden begegneten uns kaum noch andere Autos auf dem Highway, und auch die kleinen Siedlungen entlang des Highways wurden immer seltener, bis wir schließlich auch die letzte hinter uns gelassen hatten, und nur noch fast unendliche offene Landschafften umgaben uns. Wir waren im Niemandsland.

 

Campen am Ende der Welt

Unser Ziel war die Tapotupotu Camping Area, der letzte Campingplatz vor Cape Reinga. Die Camping Area wurde von DOC verwaltet und besaß nur das aller Nötigste. Das Beste war jedoch die Lage. Und die war absolut traumhaft. Von allen Campingplätzen, die ich in Neuseeland besuchen durfte, ist Tapotupotu mein absoluter Favorit. Der Campingplatz lag direkt an einem wunderschönen und einsamen Strand, in einer ruhigen Bucht, über hundert Kilometer von jeder Zivilisation entfernt, mitten in der puren Natur.

 

Auf zum Cape Reinga

Von hier aus startet ein Wanderpfad, der direkt zum Cape Reinga führt. Und ich kann absolut jedem empfehlen, der den Cap von hier aus besuchen möchte, sein Auto stehen zu lassen und zum Cape Reinga zu wandern. Ihr werdet es nicht bereuen! Der Wanderweg führt entlang der Küste hoch über die Gipfel zahlreicher Hügel und bietet eine traumhafte Aussicht nach der anderen.

Während der gesamten Wanderung, die vom Strand aus bis zum Cape Reinga gerade mal zwei Stunden dauerte, sind uns insgesamt nur drei andere Menschen begegnet. Ein älteres neuseeländische Ehepaar, das auf einer mehrtägigen Wanderung war und in einer kleinen Bucht campierte, sowie ein anderer einzelner Wanderer. Ich kann mich nicht mehr an seinen Namen erinnern, nur an seine Geschichte. Er war gerade mit seinem Te Araroa Trail fertig geworden, einem Weitwanderweg, der von der südlichen Spitze der Südinsel Neuseelands bis zum Nördlichen Ende der Nordinsel, dem Cape Reinga, verläuft und bis zu 3000 km lang ist. Das wirklich Bemerkenswerte dabei war seine Leistung, er hat die komplette Strecke in nur 66 Tagen absolviert. Zum Vergleich: die meisten Wanderer schaffen diesen Trail in 3-4 Monaten. Wirklich erstaunliche und bemerkenswerte Leistung, die meinen höchsten Respekt verdient.

 

Der einsame Cape Reinga

Der Cape Reinga ist berühmt für seinen Leuchtturm, der an seiner Spitze ragt und eine große touristische Attraktion darstellt. Während der Kap selbst eine große Bedeutung in der Maori Kultur besitzt. Laut dem Maori Glauben stellt dieser Ort eine Verbindung zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten. Nach der Überlieferung sollen die Seelen der Verstorbenen hier, am nördlichsten Punkt der Nordinsel, in das Jenseits steigen.

Die Aussicht vom Cape Reinga ist einfach atemberaubend. Im Norden vereinen sich der Tasmansee und der Pazifische Ozean, was eindrucksvoll an vielen Wellen, die scheinbar gegeneinander laufen und dann zusammen prallen, sichtbar wird. Hier treffen wohl einige Meeresströmungen aufeinander. Und im Südwesten eröffnet sich ein unglaubliches Panorama auf weite offene Landschaften, karge Küsten und einsame unberührte Strände. So weit entfernt von jeder Zivilisation ist Cape Reinga eine wahre Perle in der Wildnis von Neuseeland.

 

Der unglaubliche Twilight Te Werahi Loop Track

Unsere zweite große Wanderung in der Nähe von Cape Reinga war der Twilight Te Werahi Loop Track. Diese Wanderstrecke liegt nur wenige Kilometer südlich von Cape Reinga und ist nach wenigen Minuten Autofahrt von der Tapotupotu Camping Area aus erreichbar. Und wie schön diese Wanderung nur ist, lässt sich kaum beschreiben. So viele unterschiedliche Landschaften, die einem begegnen. Von grünen Hügeln und kleinen Wäldern bis hin zu Sumpflandschaften und ausgedehnten Sanddünen. Ein besonderes Highlight der Wanderung war der Twilight Beach an der Westküste, an dem die Wanderstrecke vorbei führte. In einer großen Bucht gelegen, lag er fast versteckt inmitten von einer unberührten Natur. Der Ausblick, der sich von dem höher gelegenen Weg auf den Strand und das Meer bot, mit vielen Wellen die scheinbar endlos und unaufhörlich auf die Küste schlugen, war schier überwältigend.

 

Ninety Mile Beach und der Lake Taharoa

Für den restlichen Weg zurück nach Auckland haben wir uns einige Tage Zeit gelassen, um noch etwas mehr von Northland zu entdecken. Die zwei besonderen Highlights dabei waren der Ninety Mile Beach und der Lake Taharoa.

Als wir am Ninety Mile Beach ankamen, herrschte gerade Flut, so dass die großen Teile des Strandes überflutet waren, nichtsdestotrotz war der Anblick auf diesen schier endlosen Strand einfach nur grandios. Die ganz Mutigen können übrigens den Strand sogar mit ihrem Auto befahren, da der Ninety Mile Beach, ähnlich wie der 75 Miles Beach auf Fraser Island in Australien, als eine Art Highway fungiert und mit dem Auto befahren werden darf. Allerding wird das offiziell nur mit Allradantrieb und nur auf eigene Gefahr empfohlen, da es nicht gerade ungefährlich ist und es wohl des Öfteren vorkommt, dass einige Unvorsichtige hier mit ihrem Auto im Sand stecken bleiben und es dann schnell an die nächste Flut verlieren.

 

 

Kaum ein Tag später waren wir dann an dem schönen Lake Taharoa angekommen, der einfach nur traumhaft mit seinem kristallklaren blauen Wasser und dem feinen weißen Sandstrand aussah. Wir blieben hier für einige Stunden, genossen den Strand und das kühle Seewasser beim Schwimmen, was bei der gerade anhaltenden Hitze besonders angenehm war. Bevor wir uns dann schließlich auf den letzten Stück unseres Weges Richtung Auckland aufmachten.

 

 

Inhaltsverzeichnis

Nordinsel

1. Auckland, willkommen in Neuseeland

2. Northland, ein Naturparadies im Norden Neuseelands

3. Im Land der Vulkane

4. Von einsamen Stränden und dichten Urzeitwäldern

5. Wandern in Neuseeland

Südinsel

1. Golden Bay und Abel Tasman Coast Track

2. Heaphy Track und Nelson Lakes National Park

3. Pancakes Rocks, Hokitica Gorge, Arthur’s Pass und Tekapo

4. Mount Aoraki, Wanaka und Franz Josef Glacier

5. Queenstown und Milford Track

6. Catlins und die Moeraki Boulders

 

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