Heaphy Track

Meine zweite große mehrtägige Wanderung folgte bereits kurze Zeit nach dem Abel Tasman Coast Track. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits wieder alleine unterwegs, da Sebi etwas andere Reisepläne hatte. Ich wollte unbedingt als nächstes den Heaphy Track laufen, einen weiteren Great Walk. Mit seinen knapp 80 km zählt diese Wanderung aktuell zu den längsten von allen Great Walks und gilt als ein kleiner Geheimtipp. Denn die Strecke ist im Vergleich zu den anderen Great Walks viel weniger beliebt, was ich übrigens kaum nachvollziehen kann, und ist daher bei weitem nicht so überlaufen. So war es für mich ein Leichtes auch kurzfristig noch die gewünschten Hüttenplätze zu buchen. Ich hatte mich nämlich diesmal gegen Camping und für Hüttenübernachtungen entscheiden, zum einen wegen der letzten Ereignissen auf dem Abel Tasman Coast Track und zum anderen um das Gewicht vom Rucksack ein wenig einzusparen und das Ganze diesmal etwas entspannter und gemütlicher anzugehen.

Im Nachhinein erwies sich das als eine richtig tolle Entscheidung, besonders da während der ersten zwei Nächte ein richtiges Sturmwetter draußen herrschte, mit kräftigen Windböen und Regenmassen fast ohne Ende. Da war es dann besonders schön, abends vor dem warmen Kaminfeuer zu sitzen, in einer kleinen Runde mit anderen Wanderern… während draußen vor dem Fenster fast die Welt unterging.

Man muss vielleicht noch erwähnen, dass die Hüttenerfahrung in Neuseeland komplett anders ist und nicht mit der in Deutschland oder Mitteleuropa zu vergleichen ist. Denn in Neuseeland sind alle Wanderhütten an Selbstversorger ausgerichtet und werden nicht bewirtschaftet. Ich persönlich mag unsere bewirtschafteten Hütten überhaupt nicht, es gleicht mir eher einer Taverne, in der fast eine Biergartenstimmung herrscht. Und ich würde hier nie eine Übernachtung in einer Hütte der einer Nacht im Freien im eigenen Zelt bevorzugen. Anders in Neuseeland. Die Hütten dort sind recht einfach aufgebaut, und besitzen in der Regel einen großen Aufenthaltsraum, mit einem kleinen Holzoffen, Tischen und Bänken, und einem Wasseranschluss, sowie einen oder mehrere Schlafräume. Wenn man ganz viel Glück hat, dann gibt es vielleicht auch noch Gas zum Kochen, oder als absoluter Luxus sogar ein paar Lichter, die über eine Solaranlage auf dem Dach gespeist werden. Es kling nicht nach viel, aber genau das macht diesen ganz besonderen Reiz aus, und sorgt für diese einmalige und einzigartige Abenteuerstimmung. Ich habe es richtig genossen in solchen Hütten die Abende am warmen Kaminfeuer mit anderen Wanderern zu verbringen.

Aber zurück zu der eigentlichen Wanderung. Mittlerweile zählt der Heaphy Track zu meinen absoluten Lieblingswanderstrecken in Neuseeland. Die Wanderstrecke verläuft quer durch den zweit größten Nationalpark Neuseelands, den Kahurangi National Park und liegt meilenweit entfernt von jeder Zivilisation. Und die Strecke ist einfach nur traumhaft. Einer meiner besonderen Highlights war der Abend am dritten Tag am Strand bei der Heaphy Hut. Der Strand an sich war bereits schon richtig toll, aber dann auch noch den Sonnenuntergang am Strand verfolgen, besser geht es kaum :-). Ich kann den Heaphy Track absolut jedem empfehlen, der eine größere Wanderung auf der Südinsel unternehmen möchte.

 

Nelson Lakes National Park

Nach dem Heaphy Track war ich wieder für ein paar Tage nach Nelson zurückgekehrt, um mich nach der letzten Wanderung ein wenig zu erholen und mir das nächste Ziel auf meiner Reise zu überlegen. Ich hatte mich dann relativ spontan für einen Abstecher nach Saint Arnaud, einer kleinen Stadt am Rande des Nelson Lakes National Parks entschieden, da mir dieser National Park von anderen Reisenden empfohlen wurde. Eigentlich hatte ich nur einen kurzen Aufenthalt von 1-2 Tagen in der Stadt eingeplant, um eine Tageswanderung in dem National Park zu unternehmen, hatte mich dann aber vor Ort spontan für eine größere Wanderung durch den National Park mit zwei Übernachtungen entschieden.

Und diese Entscheidung in Saint Arnaud länger zu bleiben hat sich als ein absoluter Glücksfall herausgestellt. Ich bin einen kleinen Teil des größeren Travers-Sabine Circuits gelaufen, von Saint Arnaud am Ufer des Lake Rotoiti entlang, über den Travers-Cascade Track mit den vielen kleinen Bächen und Wasserfällen, die an steilen Bergenwänden herunterstürzen, bis hin zur Angelus Hut, die hoch in den Bergen an zwei kleinen Seen liegt, und schließlich an der Robert Ridge Route hoch über die Bergkämme entlang mit einer fast grenzenlosen Panoramasicht. Was für eine Traumstrecke! Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, wenn ich mal wieder nach Neuseeland kommen sollte, dann steht der komplette Travers-Sabine Circuit ganz oben auf meiner Liste.

 

 

Inhaltsverzeichnis

Nordinsel

1. Auckland, willkommen in Neuseeland

2. Northland, ein Naturparadies im Norden Neuseelands

3. Im Land der Vulkane

4. Von einsamen Stränden und dichten Urzeitwäldern

5. Wandern in Neuseeland

Südinsel

1. Golden Bay und Abel Tasman Coast Track

2. Heaphy Track und Nelson Lakes National Park

3. Pancakes Rocks, Hokitica Gorge, Arthur’s Pass und Tekapo

4. Mount Aoraki, Wanaka und Franz Josef Glacier

5. Queenstown und Milford Track

6. Catlins und die Moeraki Boulders

 

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