Das Meer. Das wunderschöne blau Meer, sandige Strände und das einsame Highway, das sich entlang der Küste schlängelt. Es war so schön wieder an der Küste zu sein und die frische Meeresluft auf der Haut zu spüren. Und natürlich versuchten wir so viel Zeit wie möglich am Meer zu verbringen und jeden noch so kostbaren Angenblick hier zu genießen.

Die Nordküste entlang

Den ersten Vormittag verbrachten wir in der Nähe der kleinen Küstenstadt Whakatane, von wo wir eine Wanderung auf dem Kohi Point Scenic Track unternahmen. Die Wanderstrecke startete direkt in der Stadt und führte an der Küste entlang, vorbei an dem kleinen versteckten Otarawairere Bay bis zum großen Ohope Beach, an dem wir dann auch einige Zeit verbrachten.

 

 

Später am Abend ging es dann weiter Richtung Osten bis zum Opape Motor Camp, einem privaten Campingplatz, der fast direkt am Meer in der Nähe eines großen Strandes lag. Und dieser auf den ersten Blick recht unscheinbare Campingplatz hatte sogar etwas ganz Besonderes, hier war nämlich Lagerfeuer an dem angrenzenden Strand erlaubt! Und was gibt es Schöneres, als das Knistern eines warmen gemütlichen Lagerfeuers am Strand, wenn die Nacht anbricht und das Meer nur wenige Meter entfernt leise auf die Küste schlägt….

 

 

Nach Osten

Am nächsten Tag ging es dann weiter Richtung Osten. Vorbei an unzähligen kleinen und großen Buchten, menschenleeren Stränden und kleinen gemütlichen Siedlungen. Bis wir schließlich irgendwann die letzte kleine Stadt auf unserem Weg zum East Cape erreichten, den Te Araroa township. Die Siedlung sah ziemlich überschaubar aus, nur eine Handvoll leerer Straßen, an die sich fast ausschließlich kleine Einfamilienhäuser einreihten, bildeten die kleine Stadt. Trotz dieses auf den ersten Blick recht langweiligen Charakters besaß die Stadt jedoch eine interessante Sehenswürdigkeit, den ältesten und weltgrößten Pohutukawa Baum. Diese Baumart ist einzig in Neuseeland verbreitet, und wird zuweilen aufgrund ihrer recht imposanten roten Blütenpracht, die pünktlich zur Adventszeit ansetzt, auch als der Neuseeländische Weihnachtsbaum bezeichnet. Der Pohutukawa Tree in der Te Araroa Siedlung soll dabei bis zu 600 Jahre alt sein.

 

 

Nach dem kurzen Zwischenstopp in Te Araroa, und dem Bestaunen des einzigartigen Pohutukawa Tree, machten wir uns schließlich auf den weiteren Weg Richtung East Cape. Nur noch wenige Meilen bis zu unserem Ziel am östlichen Ende der Nordküste lagen vor uns.

 

East Cape

Nach einer weiteren kurzen Fahrt auf einer verlassenen staubigen Schotterstraße erreichten wir schließlich unseren Campingplatz am East Cape. Er lag ungefähr auf der halben Strecke zwischen dem Te Araroa township und dem Leuchtturm von East Cape, der den östlichsten Punkt der Insel markiert. Und der Campingplatz war nicht gerade klein, eine riesige offene Landschaft mit einigen kleinen Hügeln erstreckte sich vor uns. Man füllte sich regelrecht fast am Ende der Welt, so weit abgelegen, fast Mitten im Nirgendwo. Das Meer direkt vorne, nur wenige hundert Meter entfernt, eine frische Brise wehte umher, und nur das Natur umgab uns. Es war einfach perfekt!

 

 

Wir stellten noch schnell unsere Zelte auf, und machten uns sogleich auf zum Leuchtturm, um uns den Sonnenuntergang am East Cape anzuschauen. Und der war wirklich wunderschön. Die fast 800 Stufen Aufstieg bis zum Leuchtturm hatten es zwar in sich, aber der fast grenzenlose Blick über das Meer und das Lichtspektakel der untergehenden Sonne, die komplette Landschaft in warme Farben einhüllte, machten das mehr als nur wett.

 

 

Happy New Year!

Zurück am Campingplatz angekommen, hieß es erstmal ein leckeres Silvesteressen zu zubereiten. Und was hätte es sonst sein können, als ein paar leckere Avocado/Halloumi-Burger! Ich weiß, es ist wahrscheinlich nicht gerade das, was man normalerweise gerne am Silvester essen würde, aber als Backpacker ist man eh nicht gerade wählerisch. Abgesehen davon schmeckt nach einem langen anstrengenden Roadtrip so ziemlich alles phantastisch, was frisch und warm zubereitet wurde. Und bei der Location kam es ohnehin nicht darauf an, was man zum Abendessen macht. Ich weiß noch wie heute, wie wir drei auf der Wiese um unseren Gaskocher wie um ein Lagerfeuer herumhockten und versuchten alles in unsere Brötchen zu stopfen, was wir gerade noch da hatten. Es war schon dunkel, der Wind fast eiskalt, und der Magen knurrte unerbittlich. Und doch war es einfach nur perfekt, dieser eine Moment. Und die Bürger, die haben übrigens richtig phänomenal geschmeckt ;-)!

Später sind wir sogar noch zu einer richtigen Silvesterparty eingeladen worden. Ein paar neuseeländische Studenten hatten mit ihren Autos eine große Musikanlage mit Lichtinstallationen, die aus vielen LED Lichtern und Scheinwerfern bestand, angekarrt und damit die Umgebung beschallt. Die Nacht war sehr kalt, der Wind unerbittlich, das Meer peitschte mit großen Wellen in der Ferne auf die Küste, eine fast pechschwarze Dunkelheit umgab uns in dieser sternlosen Nacht, und nur die laute Musik und das bunte Licht der kleinen Scheinwerfer durchbrachen die Nacht. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es mit Abstand eines der besten Silvester war, die ich in meinem Leben hatte.

Die Sonne geht auf

Als ein zusätzliches Highlight zu dem Ganzen wollten wir noch unbedingt am nächsten Morgen den ersten Sonnenaufgang des neuen Jahres am Leichtturm beobachten. Also hieß es bereits kurz nach 4 Uhr in der Früh wieder aufzustehen, was nach einer sehr kurzen Nacht nicht gerade einfach fiel. Am Leuchtturm angekommen, merkten wir schnell, dass wir wohl nicht die einzigen waren, die diese Idee hatten. Die Zufahrtstraße unten beim Aufstieg zum Leuchtturm war mit zahlreichen Fahrzeugen aller Art nahezu zugestellt. Und oben beim Leuchtturm tummelten sich gefüllt weit über hundert Menschen auf dem kleinen Leuchtturmvorplatz.

Es dauerte nicht lange und dann ging es los. Die ersten Sonnenstrahlen als unbestrittene Vorbotten eines neuen Tages erleuchteten die schwarzen Wolken, während die Sonne langsam hinter dem Horizont hinauf kroch und mit einer lauter Begeisterung von der Menge empfangen wurde. Ein neues Jahr ist endlich angebrochen.

Es war einfach so unbeschreiblich toll, dort fast am Ende der Welt zu stehen, fernab jeder Zivilisation mitten im Nirgendwo, und die warmen Sonnenstrahlen über das Meer hinauf steigen sehen. Für mich eindeutig das beste Silvester, das man haben kann.

 

Der Tolaga Bay

Zurück am Campingplatz angekommen, brachen wir noch schnell unsere Zelte ab und, ohne viel Zeit zu verlieren, machten uns sogleich auf den Weg in den Süden. Geschafft und völlig übermüdet nach der sehr kurzen Nacht wollten wir den kommenden Tag etwas ruhiger angehen.

Den ersten Stopp legten wir in Tolaga Bay, einer großen Bucht die besonders durch ihren langen Pier bekannt ist. Die Tolaga Bay Wharf, wie der Name der Pier Anlage lautet, war früher zur Be- und Entladung von Schiffen benutzt, hat aber mittlerweile ihre glorreichen Tage schon längst hinter sich und trotz nun einsam und vergessen den Elementen.

 

 

Hier war für uns dann auch endlich die Zeit für ein ausgiebiges Frühstück am Strand. Und nach ein paar leckeren Avocado-Sandwiches (ja, Avocado ist einfach klasse ;-)) und einem gemütlichen Spaziergang am Pier entlang machten wir uns an eine kleine Wanderung, die ganz in der Nähe startete, den Cooks Cove Walkway. Und es war eine richtig schöne Wanderung, die einige sehr tolle Ausblicke über den Tolaga Bay bot und am Ende in eine kleine Bucht führte, die als eine der Landestellen von Kapitän James Cook während seiner Umsegelung von Neuseeland in der zweiten Hälfte des 18-ten Jahrhunderts überliefert ist.

Am späten Nachmittag machten wir uns dann schließlich weiter Richtung Gisborne, einer größeren Stadt etwas weiter im Süden, wo wir dann auch unser Nachtlager aufschlugen.

 

Lake Waikaremoana

An darauf folgenden Tagen verbrachten wir viel Zeit beim Wandern und kleineren Ausflügen, die wir immer wieder entlang unseres Weges machten, während es immer weiter in den Süden ging. Und davon gab es nicht gerade wenige. Denn Neuseeland ist bekannt dafür, dass es geradezu an jeder Ecke, ja fast hinter jeder Straßenbiegung eine Sehenswürdigkeit nach der anderen auf einen wartet. Ob ein Wanderpfad durch einen urzeitlichen Regenwald, ein Wasserfall, der mitten im Wald in einen kleinen See stürzt, ein traumhafter Ausblick über die Küste, oder kleine einsame Strände irgendwo versteckt hinter einem dichten Wald. Es gibt so viel zu sehen und zu erleben, dass eine Reise kaum ausreicht, das alles zu entdecken.

Ein besonderes Highlight für uns war jedoch ein Abstecher zu dem Lake Waikaremoana, an dem wir ganze zwei Tage verbrachten. Das ganze Gebiet um diesen großen See ist ein reinstes Naturparadies. Dichte Regenwälder, geschmückt mit uralten Bäumen und kleinen Wasserfällen, erstrecken sich von den Ufern des großen Sees bis in die weite Ferne. Und das Wandern inmitten dieses prachtvollen Waldes ist einfach unbeschreiblich. Da ist es wenig verwunderlich, dass eines der berühmten Great Walks, die als eine Art offizielle neuseeländische Premium-Fernwanderwege gelten, genau hier verläuft.

So war es für uns dann auch ziemlich schnell klar, dass wir nach dem ersten Nachmittag, den wir hier verbrachten, unbedingt noch einen weiteren Tag hier bleiben wollten, um am nächsten Tag noch eine größere Wanderung zu unternehmen. Und ich weiß nicht, ob ich es schon mal erwähnt hatte, wie sehr ich Waldwanderungen liebe :-), aber der Wald hier ist wirklich einfach nur unglaublich. Es hatte sich absolut gelohnt noch etwas länger hier am schönen Lake Waikaremoana zu bleiben.

 

 

Nach so vielen tollen Eindrucken an der Ostküste war es für uns langsam an der Zeit wieder an die Westküste zurückzukehren. Eine lange Fahrt bis nach New Plymouth stand am nächsten Tag an. Und unser gemeinsamer Roadtrip neigte sich langsam seinem Ende.

Inhaltsverzeichnis

Nordinsel

1. Auckland, willkommen in Neuseeland

2. Northland, ein Naturparadies im Norden Neuseelands

3. Im Land der Vulkane

4. Von einsamen Stränden und dichten Urzeitwäldern

5. Wandern in Neuseeland

Südinsel

1. Golden Bay und Abel Tasman Coast Track

2. Heaphy Track und Nelson Lakes National Park

3. Pancakes Rocks, Hokitica Gorge, Arthur’s Pass und Tekapo

4. Mount Aoraki, Wanaka und Franz Josef Glacier

5. Queenstown und Milford Track

6. Catlins und die Moeraki Boulders

 

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