Inhaltsverzeichnis:

1. Sydney
2. Blue Mountains National Park
3. Royal National Park
4. Morisset Park

Sydney

Sydney, die glänzende Metropole an der Ostküste Australien, für manch einen das Tor nach Australien, für den anderen die Stadt seiner Träume, lockt sie jedes Jahr Tausende von Besuchern aus der ganzen Welt. Wolkenkratzer, bunte Geschäfte und riesige Einkaufsmalls, kleine Cafés und Boutiquen, Straßen voller Menschen, die zu ihrer Arbeit eilen, oder ihre Besorgnisse erledigen, überall herrscht geschäftiges Treiben, keine Spur von dem ruhigen gelassenen Leben der Provinz. Mir wurde oft gesagt, dass Sydney mit New York vergleichbar ist. Und tatsächlich hat diese weltoffene Metropolle einiges mit dem “Big Apple” gemeinsam. Sei es die moderne Architektur der Gebäude, die sich besonders in den Hochglanzfassaden der Wolkenkratzer in den Geschäftsvierteln wiederspiegelt, oder die alltägliche Hektik auf den teils überfüllten Straßen. So manch eines erinnert an den Downtown Mannhatten. Und trotzdem besitzt die Stadt ihren eigenen einzigartigen Charakter, der nicht zuletzt auch durch die eigene Vergangenheit als britische Kolonie geprägt wurde. Diese koloniale Zeit wird insbesondere anhand von vielen Gebäuden aus jener Epoche gut erkennbar.

Besonders berühmt ist dabei das Queen Viktoria Building, ein prunkvolles viktorianisches Gebäude, das im Zentrum der Stadt steht und heute viele kleine exklusive Designer Läden beherbergt. Nicht weniger prunkvoll ist auch die Saint Mary’s Cathedral, mitten im Stadtzentrum gelegen wacht sie mit ihren beiden großen Türmen über die Stadt und ist ein regelrechter Magnet für die Touristen. Der Einfluss der britischen Kultur ist hier ohnehin allgegenwärtig, und die Verbundenheit der Australier zum britischen Königshaus umso groß. Da ist es wenig verwunderlich, dass viele Straßen und Stadtteile Namen mit Bezug auf das königliche Haus tragen.

Nichtdestotrotz ist und bleibt Sydney eine große bunte multikulturelle Stadt, die schon immer das Ziel vieler Einwanderer war und dies auch in ihrer durch viele Neuankömmlinge geprägten Kultur wiederspiegelt. Insbesondere der asiatische Einfluss ist hier kaum von der Hand zu weisen. Denn bedingt durch seine geographische Lage war Sydney schon immer ein beliebtes Ziel für Einwanderer aus dem asiatischen Raum. Und so finden sich heute in der Stadt ganze Straßenzüge voller Restaurants und Geschäfte, die allerlei Produkte aus allen Teilen des Asiens feilbieten. Mir hat mal eine Freundin gesagt, wer nach Sydney kommt, sollte unbedingt hier viel Essen gehen. Denn wo wenn nicht hier lassen sich so viele authentische Restaurants mit der Küche aus allen Ecken der Welt finden, in einer einzigen großen Stadt. Und diesen Tipp möchte ich nur zu gern weitergeben.

Das Schöne an Sydney ist auch, dass die Innenstadt relativ kompakt ist und sich sogar problemlos zu Fuß erforschen lässt. Von meinem Hostel in Surry Hills bis zum Sydney Cove, der Bucht am nördlichen Ende der Innenstadt, habe ich oft kaum eine Stunde gebraucht. Und alle interessanten Plätze und Sehenswürdigkeiten liegen da schon fast auf dem Weg. Zu den besonders markanten davon gehören neben den Queen Viktoria Building und Saint Mary’s Cathedral auch die Sydney Town Hall und Saint Andrew’s Cathedral, beide prachtvolle viktorianische Gebäude aus dem 19-en Jahrhundert. Etwas Entspannung und Ruhe von dem Großstadttrubel lässt sich in dem schönen Hyde Park, der ziemlich zentral liegt, und den Royal Botatic Gardens finden. Während die beiden größten Einkaufsstraßen George und Pitt Street zu einer ausgedehnten Shopping- und Bummeltour einladen.

Das wohl bekannteste Bauwerk und zugleich auch das Wahrzeichen der Stadt ist jedoch das berühmte Opernhaus von Sydney. Es steht im Norden der Innenstadt direkt am Ufer der Bucht von Sydney und zieht wie magisch die Besucher an. Jeden Tag tummeln sich hier hunderte von Touristen aus aller Welt. Übrigens wer das Opernhaus schon immer von innen betrachten wollte, kann dies hier auch tun. Denn abgesehen von regulären Veranstaltungen ist das Opernhaus auch sonst offen für Besucher, der Eintritt ist jedoch kostenpflichtig.

Angrenzend an das Opernhaus liegt der Circular Quay, ein Gebiet rings um das Sydney Cove, das ein großes Kultur und Freizeitviertel der Stadt bildet. In seiner Mitte befindet sich ein zentrales Fährterminal, von dem neben den großen Kreuzfahrtschiffen auch viele Stadtfähren und Wassertaxis ablegen, welche die Innenstadt mit anderen weiter gelegenen und am Wasser liegenden Stadteilen verbinden. Das Hertzstück der Circular Quay bildet jedoch die große Promenade, die rund um das kleine Becken mit den Schiffsanlegestellen verläuft. Zahlreiche Bars und Restaurants mit einem Blick auf die Bucht und die Harbour Bridge liegen entlang dieser Freizeitmeile und laden zum Verweilen ein.

Die Harbour Bridge, die nur ein kurzer Spaziergang von Circular Quay entfernt liegt, ist nicht weniger berühmt wie das Opernhaus selbst. Ein Spaziergang entlang der alten Brücke auf die andere Seite nach North Sydney lohnt sich allemal und wird mit einem traumhaften Blick auf die Bucht und das Opernhaus belohnt. Für einen noch spektakulären Blick über die Stadt loht sich auch der Besuch einer Aussichtsplattform am Gipfel eines Brückenpfeilers der Harbour Bridge. Der Eintritt ist jedoch kostenpflichtig. Und für die etwas Abenteuerlustige bietet das “BridgeClimb Sydney” geführte Touren hoch oben entlang des Brückenbauwerks. Eine Erfahrung, die zwar sehr kostspielig, jedoch auch mindestens so einmalig ist. Die Panoramasicht auf die Stadt von da oben soll wirklich wunderschön sein.

Neben dem Circular Quay ist der Darling Harbour im Südwesten der Innenstadt ein weiteres großes Ausgeh- und Freizeitviertel der Stadt. Ehemals ein Teil des Handelshafens von Sydney ist es heute ein sehr attraktives und beliebtes Erholungsgebiet in der Stadt. Unzählige Bars, Nachtclubs und Restaurants reihen sich hier aneinander entlang der großen Promenade. Straßenkünstler werben geschickt um die Aufmerksamkeit der zahlreichen Besucher. Und sogar ein Riesenrad steht hier am Rande des alten Hafenbeckens und sorgt schon fast für eine Jahrmarktstimmung. Besonders in den späten Abendstunden erwacht der Darling Harbour regelrecht zum Leben. Die Promenade fühlt sich schnell mit Menschen, die zwischen den Geschäften entlang bummeln, sich in einem der zahlreichen Open-Air Restaurants gemütlich machen, oder einfach nur amüsiert die witzigen und teils ausgefallenen Shows der Straßenkünstler verfolgen. Und während dann die Nacht langsam einbricht, erstrahlt die ganze Stadt nach und nach in einem bunten Meer aus tausend Lichtern.

 

 

Im Osten der Stadt an der pazifischen Küste liegt das berühmte Bondi Beach. Von der Innenstadt aus ist der Strand sehr bequem per U-Bahn und Bus zu erreichen. Generell genießt die Stadt ein sehr gut ausgebautes und benutzerfreundliches Nahverkehrssystem, was für Australien nicht gerade sehr typisch ist. Ein dichtes Netzwerk und kurze Taktzeiten ermöglichen hier eine gute Anbindung an nahezu alle Stadteile. Und ein komfortables bargeldloses Bezahlsystem sowie Spezialangebote steuern auch nicht zuletzt dazu bei, dass das Reisen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr attraktiv bleibt. So gilt beispielsweise an jedem Sonntag eine Kostenobergrenze auf alle Fahrten, die sich während meines Besuchs auf gerade mal $2.50 pro Person belief, komplett unabhängig von der Strecke oder Anzahl der Fahrten an diesem Tag. Sogar das großräumige regionale Zugnetzwerk im Umland von Sydney zählt hier mit dazu. Da ist es kein Wunder, dass gerade an Sonntagen sehr viele Menschen aus der Stadt hinaus ins Grüne rausfahren, um ihren Tag in einem der National Parks oder auch am Strand zu verbringen.

Die Fahrt zum Bondi Beach, der am Rande des gleichnamigen Stadtviertels liegt, dauert vom Stadtzentrum aus gerade mal eine halbe Stunde. Am Ziel angekommen, erstreckt sich vor einem ein großer stichelförmiger Strand, der als einer der berühmtesten Strände Australiens gilt. Beim schönen Wetter zählt der Bondi Beach schnell einige Tausende von Besuchern. Ob ein Surfer auf der Jagd nach der nächsten Welle, oder einfache Touristen, die dem Strand einen Besuch abstatten, fast jeder kommt hier auf seine Kosten. Und der Kultcharakter von Bondi Beach ist seit jeher ungebrochen.

Ein besonderes Hertzstück von dem Strand ist ein schöner historischer Pavillon, der neben den großzügigen Umkleideräumen auch viele Gemeinschaftsräume besitzt und als ein Community Zentrum dient. Regelmäßig finden hier kulturelle Veranstaltungen statt, und sogar ein Theater und eine Kunstgalerie sind hier untergebracht.

Wer nicht den ganzen Tag am Strand verbringen möchte, der kann sich auch den Bondi to Bronte Coastal Walk anschauen. Diese etwa einstündige Wanderung führt vom südlichen Ende des Bondi Beach entlang der Küste bis zum südlich gelegenen Bronte Beach und ist absolut zu empfehlen.

Aufgrund seiner perfekten Lage, bis zur Innenstadt sind es gerade mal 7 Kilometer, bietet sich der Bondi Beach als eine sehr gute Möglichkeit zur Freizeitgestaltung. Denn was gibt es Schöneres als an einem sonnigen Nachmittag einfach den nächsten Bus zu nehmen und ein paar Stunden am Meer zu verbringen. Einzig die direkte Stadtnähe und umliegende teils recht dichte Bebauung vermitteln den Eindruck eines klassischen Stadtstrandes, was Bondi Beach dann letztendlich auch ist. So fand ich persönlich die etwas abgelegenen und naturnahen Strände wie die in Byron Bay oder an der Sunhinecoast doch viel schöner. Es wurde mir hier auch einige Male gesagt, dass der weiter im Norden liegende Manly Beach von Sydney um einiges schöner als der Bondi Beach sei. Ich hatte am Ende leider doch nicht mehr genug Zeit, um auch diesen Strand zu besuchen, so dass ich diese Empfehlung nur unkommentiert weiter geben kann. Und letztendlich einen Besuch wert ist der Bondi Beach allemal.

 

 

Sydney ist eine sehr schöne und aufregende Stadt, und die Zeit, die ich hier verbracht habe, war ohne Zweifel etwas Besonderes. Als eine moderne Metropole in der das Leben fast ununterbrochen pulsiert, so kontrastreich zum ruhigen gemütlichen Leben in der Provinz, weltoffen, freundlich und mit einem Reichtum an Kulturen wird sie mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Blue Mountains National Park

Als eines der beliebtesten Ausflugsziele rund um das Sydney gilt der Blue Mountains National Park. Fast jeder, der nach Sydney kommt, plant einen Besuch hierher ein. Und so war es für mich klar, dass mein erster großer Ausflug von Sydney aus in diesen National Park sein wird.

Die Anreise nach Blue Mountains, wie dieser Ort einfachheitshalber oft genannt wird, kann ziemlich bequem mit einem Zug von Sydney aus erfolgen. Dafür sollte einfach die “Blue Mountains Line” von der Central Station bis nach Katoomba genommen werden. Von da ist es nur noch ein etwa halbstündiger Fußweg bis zum National Park. Als Orientierungshilfe und Richtungsziel können dabei die Katoomba Cascades dienen. Dieser kleine Wasserfall liegt am südlichen Ende der Stadt und an der Grenze zum Blue Mountains National Park. Ein schmaler Wanderpfad mit dem Namen Prince Henry Cliff Walk führt von hier in den National Park hinein. Und die Bedeutung dieses Namens wird bereits nach kürzester Zeit klar. Kaum ein hundert Meter von Katoomba Cascades entfernt, eröffnet sich plötzlich ein überwältigender Anblick. Ein tiefer Abgrund vor den Füßen, ein weites Tal vor einem liegt, mit schier endlosen Wäldern überzogen, und vielen Bergen die leicht bläulich im hellen Licht der Sonne leuchten.

Diese scheinbar bläuliche Farbe haben die Berge den vielen Eukalyptus Bäumen zu verdanken, die an deren Hängen wachsen und aus der Ferne in einem hellen Blau schimmern. Genau in Anlehnung an diese Besonderheit entstand seinerzeit auch der Name von diesem Ort: die Blue Mountains.

Der Prince Henry Cliff Walk verläuft, wie es der Name bereits verrät, die meiste Zeit entlang der Klippen und bietet viele spektakuläre Aussichten auf die Berge und das unten liegende Tal. Und bei dem Anblick auf diese atemberaubende Landschaft kommt es einem vor, als wäre dies hier der Beginn von einer fast unendlich weiten unberührten Wildnis. Besonders wenn ein paar laut schreiende Kakadus nach einem kurzen Flug in einer kleinen Nische an einer steilen Felswand landen, um sich am frischen Wasser eines kleinen Wasserfalls, der an dieser Stelle aus dem Berg heraus weit in die Tiefe stürzt, zu erfreuen, dann wirkt dieser Eindruck von einer wilden unberührten Natur nur umso mehr.

Trotz dieser überwältigenden Panorama Ausblicke reicht es natürlich nicht diesen National Park nur von oben zu betrachten. Ein Abstieg nach unten ins Tal mit einer anschließenden Wanderung ist schon beinahe ein Muss. Die erste Möglichkeit dafür bittet sich kaum ein Kilometer von den Katoomba Cascades entfernt an, in der Nähe des sogenannten Echo Points und direkt am Prince Henry Cliff Walk. Der Echo Point, an dem auch das hiesige Touristen Informationszentrum untergebracht ist, gilt übrigens als die Hauptanlaufstelle für alle touristische Aktivitäten rund um die Blue Mountains, so dass hier fast ständig ein reger Touristenverkehr herrscht. Etwas weiter entlang des Prince Henry Walks befindet sich dann schließlich der Giant Stairway, ein steiler Abstieg nach unten über eine schmale in den Fels geschlagene Treppe. Und dieser Pfad macht seinem Namen alle Ehre. Kurve um Kurve schlängelt er sich am Fels entlang, mit unzähligen Stufen dieser scheinbar endlosen Treppe, die an manch einer Stelle so eng und so steil ist, dass es beinahe an eine Leiter erinnert. Da war es wenig überraschend, dass fast jeder, der mir bei meinem Weg nach unten entgegen kam, sichtbar am Ende aller Kräfte war.

Der lange Abstieg endet mitten in einem dichten Wald, der fast den kompletten National Park bedeckt und auf einem der vielen naturnahen Wanderwege bestens erforscht werden kann. Einige davon führen sehr tief in den National Park hinein und sind eher auf mehrtägige Wanderungen ausgelegt. Da ich leider nur ein Tagesausflug eingeplant hatte, entschied ich mich für eine Wanderung bis zum Leura Forest, einem Abschnitt vom National Park der an die Kleinstadt Leura angrenzt. Eine Entscheidung die ich nicht bereuen sollte. Der Wanderpfad verläuft hier durch einen schönen einsamen Wald, vorbei an vielen kleinen Bächen und Wasserfällen. Am Ende der Wanderstrecke wartete dann noch eine Überraschung, eine kleine felsige Lichtung an deren Rand ein recht imposanter Wasserfall, die Leura Falls, die hohen Klippen hinab stürzte. Ein perfekter Ort für einen Rast, um etwas Energie für den Rückweg zu tanken und die Natur ein wenig zu genießen.

Bei der Rückkehr nach Katoomba entschied ich mich für einen Wanderpfad durch den Wald, den Federal Pass Track, der unten im Tal parallel zum Prince Henry Cliff Walk verläuft. Der anschließende Aufstieg über den Furber Steps Track verlief glücklicherweise nicht so anstrengend, da dieser Wanderpfad im Vergleich zu Giant Stairway zwar etwas länger dafür aber bei weitem nicht so steil ist. Und als wäre das noch nicht genug, bietet der Furber Steps Track während des Aufstieges auch noch einige tolle Aussichtspunkte mit Blick auf die großen Katoomba Falls, die ihren Ursprung in einem kleinen Fluss nehmen, der von Katoomba Cascades kommend spektakulär über die Klippen tief in das Tal herunterfällt.

Blue Mountains ist ein einzigartiger und sehr schöner Ort. Eine gigantische grüne Oase, die kaum weit von Sydney entfernt, viel Abwechslung zum hektischen und schnellen Leben in der Großstadt bietet. Und für mich steht fest, wenn ich eines Tages wieder hierher zurückkehren sollte, dann ist eine große mehrtägige Wanderung durch den National Park schon fest eingeplant.

 

 

Royal National Park

Mein zweiter großer Ausflug im Umland von Sydney führte mich nach Royal National Park, ein im Süden von Sydney an der pazifischen Küste liegendes großes Naturreservat. Ähnlich wie bei den Blue Mountains ist auch dieser National Park sehr bequem von der Stadt aus mit dem Zug zu erreichen. Diesmal ging es mit der South Coast Line bis zur Otford Station, die in der gleichnamigen kleinen Ortschaft liegt. Von hier aus ist ein küstennaher Wanderpfad perfekt zu erreichen, der nur wenige hundert Meter von der Bahnhofstation entfernt an einem Parkplatz in der Nähe des Otfords Lookouts an dem Lady Wakehurts Drive startet.

Der Wanderweg, der ein Teil einer großen mehrtägigen Wanderung durch den National Park ist, verläuft die meiste Zeit unweit vom Meer durch einen schönen Wald. Obwohl so weit im Süden gelegen, erinnert die Vegetation hier leicht an solche aus einem subtropischen Urwald. Besonders die zahlreichen Palmen an einigen Waldabschnitten zusammen mit dem dichten Unterholz, das gewisse Ähnlichkeiten zur Pflanzenwelt eines Regenwaldes aufweist, machen diese Illusion fast perfekt.

Im Gegensatz zu den Blue Mountains ist der Royal National Park jedoch bei weitem nicht so sehr beliebt bei den Touristen, so dass hier auf den vielen langen Wanderwegen kaum Besucher unterwegs sind, und nur ganz wenige Wanderer einem begegnen. So konnte ich viel Ruhe und Einsamkeit der wunderschönen Natur genießen, bevor ich nach knapp zwei Stunden Wanderung an meinem Ziel angekommen war. Es gab kein Wegweiser und auch kein sichtbarer Pfad, nichts deutete darauf dass es die Stelle sein müsste, und nur meine Naviapp verritt mir, dass ich hier an dieser Stelle den steilen Hügel runter zu der Küste muss. Und bereits kurz vor dem Abstieg konnte ich es schon sehen, ein großer flacher Fels, der aus dem Meer entlang der steinigen Küste ragte. Rund ein Dutzend Menschen, die darauf liefen, verritten mir, dass es die richtige Stelle sein müsste. Auf den großen Steinen balancierend, brachte ich den felsigen Abstieg schnell hinter mir und machte mich auf den Weg, die letzten hundert Meter entlang der steinigen Felsküste. Nur kurze Zeit darauf war es klar, ich habe sie gefunden, die Figure 8 Pools. Es handelt sich dabei um ein kleines Naturwunder, kreisförmige und mit Wasser gefühlte Vertiefungen, die sich über viele Jahrtausende gebildet haben, und wie kleine in den Fels gemeißelte Pools aussehen. Eines davon ist besonders berühmt und ist namensgebend für diesen Ort. Zwei ursprünglich nah aneinander liegende runde Pools sind im Laufe der Zeit nach und nach soweit gewachsen, bis sie eines Tages miteinander verschmolzen sind, und eine fast perfekte 8 gebildet haben.

Die ganze Landschaft um die Pools herum mutet fast surreal an, als sei sie nicht von dieser Welt. Zahlreiche Spalten ziehen sich durch den steinigen Boden, wie Linien eines übergeordneten Musters zerschneiden sie den dicken Fels. Die Pools selbst sind mitunter einige Meter tief und bis zum Rand gefüllt mit kaltem aber klarem Wasser, das viele Besucher dazu veranlasst in sie hinein zu tauchen, um etwas Abkühlung von der sengenden Hitze der australischen Sonne zu bekommen.

Trotz dieser auf den ersten Blick unwirklichen Landschaft, lässt sich hier viel Leben zwischen den zerklüften Felsen entdecken. Viele kleine Schalentiere krabbeln entlang der Spalten in den Steinen und nutzen diese als Verstecke. Selbst in den Pools gedeihen in der Tiefe einige Algen und kleine Wasserpflanzen.

Nach fast drei Stunden Zeit, die ich an diesem Ort verbracht hatte, machte ich mich schließlich wieder auf den Weg zurück nach Otford, um meinen Zug nach Sydney noch rechtzeitig zu erwischen. Ich entschied mich dabei einen kleinen Umweg über den Burning Palms Beach zu nehmen, um von dort dann wieder auf den ursprünglichen Wanderweg, Coast Track, Richtung Süden zu kommen, und dabei noch etwas mehr von dem National Park zu sehen. Der unbefestigte Pfad zu dem Strand ist zwar etwas weniger kompliziert als der südliche Zugang zu den Pools, dennoch nicht weniger gefährlich, da er direkt entlang am Meer über rutschige Felsen verläuft.

Der restliche Weg nach Otford verlief weniger kompliziert und bot insbesondere zu Beginn einige schöne Panoramen über die weitläufig offene Landschaft, während der Wald, in dem zu dieser Zeit bereits sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrschte, die jeden Anstieg besonders mühsam machte, mich ein weiteres Mal an die Regenwälder im Norden von Queensland erinnerte.

Der Royal National Park ist ein wunderschönes Naturparadies, in dem viele Arten beheimatet sind. Besonders die zahlreichen Vogelarten, unter denen auch viele Papageien sind, lassen sich nicht selten unweit der Wanderwege blicken. Ein leises Wandern vorausgesetzt. Wer jedoch die Figure 8 Pools besuchen möchte, sollte unbedingt vorher die Gezeiten und die Wetterbedingungen, insbesondere Wellenhöhe und Windstärke, genau überprüfen. Denn der Zugang zu den Pools ist nur bei der Ebbe möglich, während hohe Wellen an den Felsen lebensgefährlich sein können. Und selbst bei einem augenscheinlich schönen Wetter und auf den ersten Blick ruhiger See können die vereinzelten hohen Wellen nicht komplett ausgeschlossen werden, so dass diese Gefahr nicht unterschätzt werden sollte.

Aber auch ohne einen Abstecher zu den Figure 8 Pools ist der Royal National Park definitiv einen Besuch wert.

 

 

Morisset Park

Diesen Tipp bekam ich damals noch in meinem Hostel in Brisbane. Wenn du Kängurus in der freien Wildbahn sehen möchtest, dann geh nach Morisset, wurde mir gesagt. Und da ich leider immer noch kein Glück dabei hatte, dieses fast schon Nationalsymbol Australiens zu sehen, beschloss ich kurzerhand nach Morisset zu fahren.

Das kleine Städtchen Morisset liegt fast zwei Stunden Zugfahrt entfernt im Norden von Sydney. Auf den ersten Blick bietet die kleine Ortschaft so gut wie nichts Interessantes. Verträumte ruhige Straßen, die im Süden an ein großes Waldgebiet angrenzen. Ich hatte keine Ahnung wo ich genau suchen müsste, nur dass es im “Morisset Park” ist. Als ich mich am Tag zuvor auf diesen Ausflug vorbereiten habe, wurde mir bei einer online Suche nach “Morisset Park” ein Gebiet im Osten der Stadt angezeigt. Und so machte ich mich auf den Weg Richtung Osten. Zuerst entlang der Fishery Point Road und anschließend weiter über die Morisset Park Road. Die Straße sah wie ausgestorben aus, nur alle paar Minuten fuhr ein Auto vorbei, und die Mittagssonne schien unbarmherzig herunter. Die gefühlten weit über 30 Grad Celsius und kaum Schatten entlang am Straßenrand machten die Wanderung besonders anstrengend. Das schlimmste war jedoch, dass nach fast einer Stunde, die ich bereits unterwegs war, immer noch keine Kängurus weit und breit in Sicht waren. Ebenso wie keine geeignete Stelle dafür, wie eine größere Wiese, auf der diese hüpfenden Fellträger mit größerer Wahrscheinlichkeit anzutreffen wären. Nur eine einsame staubige Straße, an beiden Seiten von einem Wald umsäumt.

Nachdem die Straße dann schließlich in einer weiteren kleinen Ortschaft endete, die erstaunlicherweise “Morisset Park” hieß, wurde mir mein Fehler schlagartig klar. Ich hatte die ganze Zeit die falsche Spur verfolgt. Ohne es genau zu wissen, wo ich nun weiter suchen sollte, war ich kurz davor meine Suche abzubrechen. Ein erneuter Blick auf meine Karte verritt mir jedoch eine recht große offene Graslandschaft im Südwesten von “Morisset Park”, am Rande des großen Waldgebietes. Und so beschloss ich auf dem Rückweg zur Bahnhofstation diesen Umweg auf mich zu nehmen und einen Abstecher nach Süden zu machen.

Nach einer weiteren halbstündigen Wanderung entlang einer einsamen Straße stand ich plötzlich vor einer weiteren kleinen Ortschaft, die nur aus wenigen Gebäuden entlang ein paar Straßenzüge bestand. Im Westen lag jedoch eine recht große offene Wiese, die im Süden an eine weitere Straße angrenzte und im Nordwesten vom Wald umrundet war. Auf einmal konnte ich einige Menschen, allem Anschein nach Touristen, auf der Wiese ausmachen. Einige machten im Schatten ein paar einzelner Bäume ein Picknick, während ein paar andere am Wald entlang liefen. Plötzlich tauchten ein paar hüpfende Schatten am Waldesrand auf und verschwanden so eben wieder zwischen den Bäumen. Die Kängurus! Ich hatte sie endlich gefunden.

Es war eine ganze Reihe von Kängurus, die meisten hielten sich im Wald auf, während ein paar wenige am Waldrand im Schatten der Bäume vor sich hin grasten. Die Tiere hatten sich offenbar dermaßen daran gewöhnt von den Touristen gefüttert zu werden, dass sie überhaupt keine Scheu mehr vor Menschen besaßen. Es reichte oft einfach nur in die Hocke zu gehen und sie hüpften direkt auf einen zu, wohl in der Hoffnung gleich ein paar der begehrten Leckereien abzustauben, und ließen sich dann sogar streicheln und knuddeln. Und es war ein unbeschreibliches Gefühl diese tollen Tiere so nah zu erleben, in ihrem natürlichen Umfeld.

Später am Nachmittag, als die Sonne nicht mehr so hoch am Himmel stand, kamen immer mehr Kängurus aus dem Wald und verteilten sich über die Wiese. Eine andere Besucherin sagte mir, dass es an einigen Tagen hier schon mal bis zu hundert Kängurus anzutreffen waren. Eine unglaubliche Vorstellung. Und tatsächlich, als ich mich später wieder auf den Weg zurück machte, konnte ich immer mehr Kängurus ausmachen, die plötzlich fast überall waren. Am Waldesrand, in der Nähe der Straße und sogar in den kleinen Vorgärten der Häuser, von wo sie mich jedes Mal neugierig beobachteten, wenn ich an ihnen vorbei lief. Am Ende war ich richtig froh, meine Suche nicht vorzeitig aufgegeben zu haben. Der Ausflug hatte sich mehr als gelohnt.

 

 

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