Inhaltsverzeichnis:

1. Byron Bay
2. Roadtrip nach Sydney

Byron Bay

Byron Bay lässt sich mit nur wenigen Worten beschreiben: absolut einzigartig. Ich weiß nicht woran es liegt, an den kleinen überschaubaren und gemütlichen Straßen, den ruhigen naturnahen Stränden, den überaus freundlichen Menschen, die einfach nur glücklich zu sein scheinen, oder der warmen Sonne, die hier fast jeden Tag hoch am Himmel scheint. Aber etwas liegt hier in der Luft, etwas das einen vollkommen überwältigt, jede Faser des Körpers durchdringt und einen nicht mehr los lässt. Ich hatte mit einigen Leuten gesprochen, die in Byron Bay lebten oder nur zu Besuch hier waren. Und sie alle hatten die gleiche Geschichte. Einmal hier angekommen, fällt es unglaublich schwer diesen Ort wieder zu verlassen. Während die meisten für einige Wochen hier stranden, bleiben die anderen über Jahre oder gar für immer hier. Bei mir selbst wurden es aus anfänglich geplanten wenigen Tagen ganze zwei Wochen, und es war dennoch schwer Byron Bay am Ende wieder zu verlassen.

Die bekannteste Sehenswürdigkeit in Byron Bay ist der Leuchtturm vom Cape Byron, der zugleich auch an dem östlichsten Punkt des australischen Festlandes steht, und ein wahres Publikumsmagnet ist. Besonders in den frühen Morgenstunden pilgern viele Besucher zu dem Leuchtturm, um eines der beeindruckenden Sonnenaufgänge am Cape Byron miterleben zu dürfen. Der Leuchtturm lässt sich dabei auf mehreren Wegen von der kleinen Stadt aus zu erreichen. Wer das Abenteuer nicht scheut, nimmt den etwas längeren Wanderpfad entlang der Küste. Der Weg führt an einigen schönen Stränden vorbei, die im Morgengrauen so einsam, ruhig und unter dem Sternenlicht so wunderschön erscheinen, während das Meer leise auf die Küste schlägt. Und wenn die ersten Stufen zum Gipfel von dem Cape Byron erklommen sind, dann bittet sich ein wahrlich magischer Anblick. Das weite Meer im Mondscheinlicht, die Wolken, die am Horizont wie dunkle Berge über den Nachthimmel gleiten, kein Laut, kein Geräusch, und nur das leise Rauschen der Blätter im kühlen Wind der Sommernacht. Es lohnt sich für einen Moment inne zu halten und diesen Augenblich genießen.

Oben bei dem Leuchtturm angekommen, beginnt dann das eigentliche Spektakel. Wenn die ersten Sonnenstrahlen langsam über den Horizont gleiten und die dunklen Wolken im warmen Gelb erleuchten, während die noch junge Sonne langsam und unausweichlich den Horizont hinaufkriecht. Und nach und nach erstrahlt das Kap im warmen Licht der aufgehenden Sonne in seiner vollen Pracht. Während das alte eindrucksvolle Leuchtturmgebäude wie ein zeitloses Monument auf seiner Spitze ragt. Ein neuer Tag ist über Australien angebrochen.

Der Weg zurück in die Stadt ist mindestens genauso spannend wie der Aufstieg zum Leuchtturm. Zahlreiche Wallabies nutzen die etwas kühlere Temperaturen am frühen Morgen, noch bevor die Mittagshitze kommt, und lassen sich auf den vielen kleinen Wiesen und Lichtungen am Cape Byron blicken, wo sie genüsslich das frische Gras genießen. Mit etwas Glück lassen sich einige Buckelwale beobachten, die in der Zeit zwischen Juli und November regelmäßig das Kap passieren. Und Delfine, die keine Seltenheit am Cape Byron sind, schwimmen ebenfalls regelmäßig hier vorbei. Dabei kommen sie manchmal sehr nah an den Strand heran, so dass manch ein Glücklicher sogar mit ihnen zusammen schwimmen kann.

Unten am Fuße des Kaps angekommen, lohnt es sich für den Rest des Weges über den Strand zu wandern. Der Strand, der auch sonst zu keiner Stunde viele Besucher zählt, ist besonders in den frühen Morgenstunden, bis auf wenige einsame Surfer, die ihr Glück bei der Jagd nach großen Wellen versuchen, nahezu menschenleer und so friedlich ruhig und einsam. Und das Schöne an dem Meer hier ist, dass es nahe der Küste kaum tief ist und der Boden sehr flach, sandig und sehr weich ist, während das Wasser angenehm warm ist. Einfach perfekt zum Schwimmen. Oder zum Wandern im seichten Wasser, während die warmen Meereswellen sanft über die Haut streicheln.

Eine weitere ganz besondere Erfahrung ist Fahrradfahren am Strand. Der Strand im Norden von Byron Bay zieht sich über einige Kilometer hinweg und bietet sich hervorragend dafür an. Der Sand nahe der Wasserlinie ist dabei recht hart und lässt sich problemlos befahren. Mit einem leichten Wind im Rücken, scheinbar endlosem Strand vor dir und wunderschönen Bergen in der Ferne, fühlt es sich fast wie ein sanftes Gleiten, wie Segeln über den Strand hinweg. Während die Wellen langsam und beständig mit einem leisen Rauschen auf die Küste schlagen, und der kühle Wind kleine Staubteufel in den trockenen Sand malt. Einfach wunderschön.

 

 

Neben den wunderschönen Sonnenaufgängen sind auch die Sonnenuntergänge in Byron Bay einmalig. Abgesehen von dem Leuchtturmplatz, an dem sich jeden Abend beim guten Wetter Dutzende von Schaulustigen versammeln, um das langsame Untergehen der Sonne über die Stadt und die Berge zu verfolgen, bittet sich der Strand von Byron Bay als ein perfekter Ort, um dieses Naturschauspiel zu beobachten.

Bereits am frühen Abend versammeln sich einige Menschen, unter denen viele Reisende sind, dort an einem kleinen Strandabschnitt. Es werden Musikinstrumente rausgeholt, von einer einfachen Flöte bis hin zum Schlagzeug, und spontan Musik gespielt. Es herrscht eine friedliche, ausgelassene Stimmung. Ein bunter Mix aus Kulturen und Menschen, die mit ihrer offenen Art pure Lebensfreude ausstrahlen.

Ich habe mich mit einem Einheimischen unterhalten, der in Byron Bay lebt und sehr oft hierher kommt. Er sagte zu mir, die Stimmung hier sei einfach nur einzigartig. Und dem kann ich nur zustimmen. Ich habe ebenfalls versucht, jedes Mal wenn es mir möglich war, hierher zu kommen, um ein wenig der Musik zu lauschen und den Sonnenuntergang zu beobachten. Und der ist hier in Byron Bay wirklich einmalig. Jedes Mal wenn die Sonne sich langsam dem Horizont neigt und der Himmel zusammen mit dem scheinbar endlosen Strand mit farbenfrohem Licht geflutet wird. Die Berge in der Ferne wie dunkle Schatten leuchten. Einsame Wächter weit am Horizont. Die Finsternis langsam über das Meer einbricht und nach und nach den letzten Sonnenstrahl verschlingt.

Es ist ein besonders schönes Gefühl dann für eine Weile unter dem hellen Mondscheinlicht am Strand entlang zu laufen und dem Meer zu lauschen. So ruhig und friedlich, während die ganze Welt schläft.

Rückblickend kann ich sagen, dass ich einige meiner schönsten Strandwanderungen hier in Byron Bay hatte.

 

 

Eines der sehr schönen Ausflugsziele rund um Byron Bay ist die Broken Head Nature Reserve. Diese kleine Küstenregion liegt nur wenige Kilometer südlich von Byron Bay entfernt und ist gut mit einem Fahrrad von der Stadt aus zu erreichen. Nach ungefähr einer halbstündigen Radtour, die teilweise durch sehr schöne Landschaften führt, erreicht man die kleine Ortschaft namens Suffolk Park, die am südlichen Ende vom Tallow Beach liegt. Ab hier geht es weiter zu Fuß über den wunderschönen Tallow Beach. Der Strand zieht sich vom Cape Byron über mehrere Kilometer nach Süden hinweg und lädt förmlich zum Wandern und Spaziergehen ein.

Nach ungefähr der Hälfte der Wanderstrecke am Tallow Beach kommt eine kleine Abzweigung, die weg von dem Strand zu einem echten Geheimtipp führt, einem kleinen versteckten See. Das Besondere an dem See ist sein Wasser, das eine rot bräunliche Färbung aufweist. Die Abzweigung ist dabei kaum zu verfehlen und ist bereits an einem kleinen Flussausläufer zu erkennen, der das Wasser vom See zum Strand führt.

Diese besondere Wasserfärbung kommt von den zahlreichen Tea Bäumen in der Umgebung, die das Wasser mit ihren herunterfallenden Blättern und ihrem Öl färben. Die meisten Binnengewässer in der Region werden auf diese Weise mit dem „Tea tree oil“ versorgt und weisen diese einzigartige Färbung auf. Gerüchten zufolge soll das Wasser dank dem Öl der Tea Bäume eine heilende Wirkung besitzen und besonders gut für die Haut sein.

Neben dem einzigartigen Wasser ist auch die Lage von dem kleinen See etwas Besonderes. Umgeben von einem dichten Busch ist es vom Strand aus unmöglich einsehbar und gleichzeitig auch von fast jedem Unwetter gut geschützt. So können draußen am Strand stürmische Windböen herrschen und die Wellen mit einem donnernden Lärm auf die Küste schlagen, am See ist davon aber fast nichts zu spüren. Nicht zuletzt auch deswegen ist dieser Ort sehr beliebt bei den Einheimischen, die hierher kommen, um ein wenig Ruhe und die warme australische Sonne zu genießen.

Hier habe ich auch einen älteren Mann getroffen, an dessen Namen ich mich leider nicht mehr erinnere, und der mir einiges über diese Gegend erzählte. Ich nenne ihn Brian. Brian lebte vor vielen Jahren in den USA, wo er aufgewachsen war und fast sein ganzes Leben verbracht hat. Bis er eines Tages nach Australien kam und das australische Virus ihn für immer gepackt hat. Den gut bezahlten Job und das komplette alte Leben hinter sich lassend, wanderte er nach Australien aus, wo er in den darauf folgenden Jahren den ganzen Kontinent auf seinem Motorrad bereist hat, und nur von Gelegenheitsjobs lebte. Er sagte zu mir damals, ein Mensch braucht nicht viel im Leben, nur das was ihn glücklich macht. Noch heute geben mir seine Worte zu denken.

Brian erzählte mir auch die Geschichte von dem kleinen See mit dem rotbräunlichen Wasser. Noch vor wenigen Jahrhunderten war das hier alles das Land der Aborigines und der See ein heiliger Ort in ihrer Kultur. Medizinmänner hielten hier ihre Rituale ab, um die Kranken mit dem Wasser aus dem See zu heilen, und die Frauen brachten ihre Kinder in dem heiligen Wasser zur Welt. Bis vor rund 150 Jahren das Land von den europäischen Siedlern weggenommen wurde und fortan als Farmland diente. Der See geriet schließlich in die Vergessenheit. Erst vor wenigen Jahren hat der Farmer, dem das Land mittlerweile gehörte, dieses an eine Aborigines Stiftung wieder zurückgegeben. Der ursprüngliche Aborigines Name von dem See ging jedoch leider in all der Zeit für immer verloren, keiner erinnert sich heute noch daran. Und so wird der kleine See von den Einheimischen nur noch als der Tea Three Lake genannt. Heute kann der See von jedem besucht werden, und es darf sogar darin geschwommen werden. Und es ist ein ganz besonderes Gefühl an solch einem Ort der lebendigen Geschichte zu stehen, mit dem Wissen, dass noch nicht mal vor langen Zeit, kaum 200 Jahren, ein Wimpernschlag in der Geschichte, dies hier eine ganz andere Welt war, fernab jeder bekannten Zivilisation, unvergleichlich, einzigartig und ganz anders. Und dann wird einem auf einmal ganz bewusst, wie vergänglich doch alles ist.

Nach einem kurzen Aufenthalt am Tea Tree Lake kann der ursprüngliche Weg Richtung Broken Head Nature Reserve wieder aufgenommen werden. Am Ende von Tallow Beach beginnt schließlich diese schöne Küstenregion. Ein schmaler Wanderpfad schlängelt sich hier entlang der Küste und wartet dabei mit einigen schönen Aussichten aufs Meer auf. Hier ist mir auch das erste Mal eine Goanna begegnet. Eine etwa 1 Meter lange Echse aus der Gattung der Warane, die ganz typisch für den australischen Busch ist. Mitten auf dem schmalen Weg lief sie unbeirrt direkt auch mich zu, und während ich mir noch überlegte, ob es nicht klüger wäre doch noch schnell zur Seite zu weichen, bog sie schließlich kaum 2 Meter vor mir entfernt von dem Weg ab und verschwand in dem Busch. Eine Einheimische, die ich sogleich hier kennenlernte, erklärte mir, dass diese Echsen in der Regel kaum Scheu vor den Menschen besitzen, und es auch schon mal vorkommen kann, dass wenn jemand am Strand grillt, eine Goanna direkt an den Tisch kommt, darauf springt, sich ein Stück schnappt und verschwindet, als ob es nichts wäre, wieder. Faszinierende Tiere.

Schließlich am Ende der Wanderung entlang der Küste wartet ein kleiner Strand, Kings Beach. Umgeben von einem dichten Regenwald liegt er tief versteckt inmitten der unberührten Natur. Es lohnt sich hier für eine Weile zu verweilen, einen schattigen Platz unter den Palmen zu suchen, und das Meer und die einzigartige Natur ein wenig zu genießen. Bevor es dann über einen Wanderpfad inmitten eines dichten unberührten Regenwaldes und schließlich über eine alte staubige Straße, die sich durch den dichten Wald zieht und dabei irgendwie ihren eigenen besonderen Charme besitzt, wieder zurück zum Tallow Beach geht.

Wer etwas abseits der üblichen Touristenpfade sucht, bekommt mit einem Ausflug nach Broken Head Nature Reserve eine Wanderung, die so einmalig ist. Wunderschöne unberührte Natur, phantastische Strände und einzigartige Orte. Ein Ausflug der sich definitiv lohnt.

 

 

Byron Bay, eine Stadt mit vielen Facetten, unvergleichbar und einzigartig. Für mich war es der schönste Ort an der Ostküste Australiens.

Roadtrip nach Sydney

Australien muss bei einem Roadtrip entdeckt werden. So viele interessante Plätze und Orte, jeder Tag ist ein neues Abenteuer. Oft reicht es einfach sich nur die Zeit zu nehmen und der Straße zu folgen. Das Land ist bestens auf das Camping vorbereitet, besonders an der Ostküste finden sich an vielen Orten zahlreiche Campingplätze und Holiday Parks. Wer jedoch auf den Luxus von bestens ausgestatteten Caravan Parks verzichten kann, findet insbesondere in den National Parks zahlreiche einfache Campingplätze, die aber oft sehr naturnah und an wunderschönen Plätzen liegen. Und nichts ist aufregender, als nach einem erlebnisreichen Tag abends irgendwo mitten in einem Wald oder nah am Strand sein Zelt aufzuschlagen, am warmen Lagerfeuer zu sitzen und den Moment zu genießen.

So ist mir besonders der Moonee Beach Holiday Park nördlich von Coffs Harbour in Erinnerung geblieben. Wir hatten unser Zelt nahe dem Strand aufgeschlagen und nachdem die übliche Pasta, was so ziemlich das normale Backpackermenü ist, fertig war, uns zum Abendessen an der schönen Terrasse, die direkt an die Küche des Holiday Parks angrenzte, gemütlich gemacht. Es wehte eine kühle Sommerbrise und ein einsamer Strand lag direkt vor uns. In diesem Moment fühlte sich alles so richtig und einfach nur perfekt an. Wir haben die Zeit genossen und nicht an den Morgen gedacht. Es war der perfekte Augenblick.

Ein paar Tage später auf dem Weg nach Süden, kurz vor Sydney, haben wir einen kleinen Umweg genommen und sind nach Watangas National Park gefahren, wo wir eine Nacht verbringen wollten. Wir haben fast eine Stunde auf einer schmalen, und kaum passierbaren Straße gebraucht, um unser Ziel zu erreichen, einen kleinen Campingplatz tief im Wald, mitten im Nirgendwo. Der Campingplatz war recht spartanisch eingerichtet, besaß jedoch einige Feuerstellen und sogar einen überdachten Tisch mit zwei Bänken, welchen wir sogleich zur Zubereitung unseres Abendessens nutzten. Abgesehen von uns waren nur noch wenige weitere Camper da, die ihr Wochenende hier verbrachten, so dass es auf dem Campingplatz recht ruhig zuging. Pünktlich zum Abendessen kam dann eine kleine Wallaby Familie, ein Muttertier mit ihrem Jungen, aus dem Wald vorbei. Ihr scheu schnell abgelegt, erkundigten sie neugierig den kleinen Lagerplatz und zogen dabei alle Blicke auf sich.

Und nur wenige Stunden später, nachdem die Sonne untergegangen war und die Nacht den Wald in tiefen Schwarz einhüllte, war dies einer der schönsten Augenblicke an diesem Tag, als wir am wärmenden Lagerfeuer saßen, umgeben vom dunklen Wald, und mit einem Sternenhimmel über uns. Und während das Lager langsam einschlief, erwachte der Wald erst recht zum Leben. Einige hungrige Possums streiften durch das Lager umher, auf der Suche nach unachtsam übrig gelassenem Essen, während ihre weiß leuchtenden Augen schon fast gespenstisch, als seien es die Waldgeister selbst, aus der Dunkelheit hervorstachen. Die Nacht gehörte von nun an dem Wald.

Am nächsten Tag konnten wir es uns nicht nehmen, noch eine kurze Wanderung zu unternehmen, und diesen Wald ein wenig zu erkunden. Bevor es dann schließlich weiter Richtung Sydney ging.

 

 

Navigation:

  1. Ankunf in Australien  – Whitsundays
  2. Hervey Bay – Surfer’s Paradise
  3. Byron Bay und der Weg nach Sydney
  4. Sydney und Umgebung
  5. Melbourne, Great Ocean Road und der Gramphians National Park

 

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